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Wir verdienen Geld ...

 

 

Wir verdienen Geld, tragen Kleider, fahren einen Wagen, benutzen kosmetische Artikel, wohnen in Städten und fliegen durch die Welt. Auf dem hohen Niveau der Arbeitsteilung unserer Gesellschaft sind wir in allen Lebensbereichen von Dienstleistungen und Produkten umgeben. Das Angebot übersteigt schon lange jedes Maß unseres tatsächlichen Bedürfnisses. Alle Dinge und Dienste müssen immer luxuriöser und subtiler werden, um verkauft zu werden. Doch selbst das reicht nicht aus, um den gewünschten Absatz zu finden. Sie werden massiv beworben und in irgendein glänzendes Licht gerückt, ohne dass noch jemand bemerkt wie blöde und nutzlos etwas in Wirklichkeit ist. Die Bedürfnisvergrößerung durch Werbung wird durch den Aufbau neuer Sehnsüchte und die Herausbildung von Käuferidentitäten forciert. Werbung beeinflusst den Käufer gezielt, er fällt oftmals nur noch eine vermeintlich freie Konsumentscheidung für das, was er kauft, häufig erfüllt er nur ein, über viele Werbeblöcke und -plakate erlerntes, unreflektiertes Rollenmuster, ohne das Erworbene wirklich zu gebrauchen.

 

 

 

Wir alle sind unfreier als wir es glauben, weil viele unserer Entscheidungen aus unserer Grundhaltung irritiert sind. Auf dem hohen Niveau unserer postindustriellen Entwicklung wird der technische Fortschritt immer grenzwertiger. Die zusätzliche Nützlichkeit der Verbesserung eines Produktes also immer geringer. Ein Automobil kann heute beispielsweise noch bei einer Geschwindigkeit von 320 km/h sicher abgebremst werden oder wir können mit unseren Handys Bilder ansehen. Die wirkliche Notwendigkeit, solche Produkte zu kaufen, ist sehr fragwürdig, wenn man es daran misst, wie lange es uns glücklich macht und was wir für den Erwerb an Lügen und Schmerzen auf uns nehmen. Wir werden davon abgelenkt, unsere elementaren Fragen zu bedenken.

 

 

 

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30.8.06 11:37, kommentieren

Wenn das Bedürfnis ...

Wenn das Bedürfnis ein Produkt zu kaufen sinkt, erhöht sich die Notwendigkeit, diese Kaufentscheidung durch Werbung zu katalysieren. Dies können Sie selbst gut erkennen, wenn Sie sorglos an einer Tankstelle stehen, den Zapfhahn in Ihren Wagen halten und eigentlich nichts denken, nur Ihren Blick schweifen lassen, der dann zuerst am Werbebanner der Benzinpistole hängen bleibt und neuerdings auch mit Werbefilmen oberhalb der Zapfanlage unterhalten wird. Sie müssen permanent etwas über Produkte erfahren, Sie müssen neue Werbebotschaften lernen und Sie sollen nicht mehr zur Ruhe kommen. Wir alle nehmen unweigerlich in bestimmten Bereichen Identitäten der Werbung in unsere Kaufentscheidungen und unser Leben auf. Sehen wir uns ein paar dieser werbegeschaffenen Wünsche und Persönlichkeiten genauer an. Eine Zigarettenmarke beispielweise verkauft uns als Belohnung für den Konsum von Nikotin und Teer Liberté toujours. Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen. Wer diese Zigarette raucht, ist ein richtiger Freigeist, auch wenn er eigentlich eher dämlich und beschränkt ist, schwingt er sich allein dadurch, dass er sich benebelt zu dieser positiven geklärten Identität auf, ist unabhängig und setzt sich leichtfüßig über bürgerliche Konventionen hinweg. Der Zynismus findet seine volle Höhe vielleicht erst in einem Kontext, der lauten könnte: Liberté von der Französischen Revolution bis zur französischen Zigarettenwerbung. Kehren wir den Blickwinkel um, vom werbeerzeugten Identifikationsmuster auf das menschliche Bedürfnis nämlich, können wir aus dem, was die Werbung uns als Typen anbietet gut sehen, wo gesellschaftliche wie individuelle Defizite liegen. Denn wäre von Werbestrategen nicht eine deutlich zu erkennende Gruppe von Menschen auszumachen, die sich unfrei fühlt, gerne aber frei sein möchte, würde die Werbung nicht funktionieren und sich Millionen hohe Werbeausgaben nicht rechnen. Gut, wer wirklich frei ist, braucht kaum eine Zigarette, um dies zu demonstrieren. Das Rauchen ist ein weites Feld, in dem mit diesen vermeintlichen Identitäten gearbeitet wird, wir wachsen von Kindesbeinen an mit der Freiheit des amerikanischen Cowboys auf. Wollen wir es uns wirklich weiter gefallen lassen, dass unsere persönlichen Wünsche und Gefühle mit irgendeiner Marke, einem Konsumprodukt in Verbindung gesetzt werden?

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2 Kommentare 31.8.06 12:12, kommentieren