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Auch an der Markenkleidung ...

Auch an der Markenkleidung, die wir täglich tragen, sehen wir gut die hohe Differenzierung von „Typen“ und wie durch Beeinflussung Wünsche (Mode) erzeugt werden, die sich rein aus einer momentanen Vorstellung nähren, aber nicht unbedingt nützlich sind. Wir werden an der Nase herumgeführt und trickreich von dem abgelenkt was nichts kostet und uns glücklicher machen könnte zugunsten dessen was käuflich ist, uns aber tatsächlich nur kurze Zeit befriedigt. Ein nicht minder gutes Beispiel wie uns Werbung etwas vorspiegelt, was wir sein könnten, finden wir im Dunstkreis der Alkoholika. Wer und was ist man alles, wenn man ein alkoholisches Getränk zu sich nimmt. Ein Mann trinkt eine Flasche Bier und springt todesmutig von einer hohen Klippe metertief ins Meer. Ein Held. Männer wollen Helden sein und selbstlose Siege vor den Augen ihrer Angebeteten erringen und Frauen wollen von heldenhaften Männern begehrt werden. Aber setzen wir uns wirklich mutig ein, oder verfolgen wir nur egoistische Ziele und betrinken uns abends mit Bier, weil wir den Schmerz dieser Abspaltung vom Wunsch menschlicher Gemeinschaft sonst nicht ertragen können? Hinzu kommt, dass wir genau genommen nicht nur zum Kauf von Alkoholika und Zigaretten animiert werden, sondern im gleichen Schritt dazu, uns zu betäuben und unseren Körper zu zerstören. Denken Sie mal über die kaffeetrinkende Erfolgsfrau nach. Sie funktioniert den ganzen Tag, weil Sie durchweg Kaffee trinkt. Sie steht schon um fünf Uhr auf, um sich die Haare zu stylen, die bis abends beim Sex mit einem Bilderbuchmann tadellos halten müssen. Den ganzen Tag hat sie Erfolg, Freunde um sich und ist angesehen in der Kunstszene. Auch hier wird ein Bild entworfen. Die Frau von heute, die so lange von allen Massenmedien hoch und runter gebetet wird, bis sie unfragwürdiger Bestandteil unserer Überzeugung ist. Tatsächlich haben wir aber gar nicht darüber nachgedacht. Täten wir das, wäre uns schnell klar, dass wer dauernd Kaffee trinkt, krank wird.
 
Der Illusion darüber, was der moderne Mensch besitzen  muss, ist kaum eine Grenze gesetzt, seien es Kleidung, Automobile, Reisen oder Unterhaltungselektronik. Positiv betrachtet, verbessert der Fortschritt natürlich den Komfort, doch ist fraglich, ob der Preis, den ein Käufer für eine Beschleunigungs-verbesserung durch den Kauf eines neuen Automobils um sagen wir eine Sekunde in einer guten Relation zu vielen zehntausend Euro steht, die er dafür ausgibt. Werbung operiert immer stärker mit der Schaffung eines kompletten Produktuniversums, mit dem Anspruch der Allgegenwärtigkeit. Sie kaufen in der Kosmetikwelt mit einem simplen Deostift ein Stück Karibik und natürlich Erotik. Dichte und Subtilität der Manipulation ist heute schon auf solch hohem Niveau, dass es schwierig ist, sich dem Einfluss zu entziehen. Eigentlich denken wir in vielen Entscheidungen gar nicht mehr nach, sondern imitieren nur noch die Vorgabe, die uns Werbung häufig genug vorgespielt hat. Wir sind mehr oder minder mittendrin und bemerken gar nicht mehr, wie stark die Fremdbestimmung ist.
 
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1.9.06 10:29, kommentieren

Die Aufzählung von ...

Die Aufzählung von Identitäten und Charaktereigenschaften, die von der Werbung zu Umsatzzwecken gebildet werden, ist lang und wir werden damit täglich konfrontiert. Es sind nicht nur die Erfolgstypen, die hier stilisiert werden, sondern auch smarte Verlierer. Einfach alles und jeder muss in ein Bild gezwängt werden, um etwas verkaufen zu können. Durch die vielfache Wiederholung von vermeintlichen Eigenschaften, die dem Benutzer bestimmter Marken zugeschrieben wird, versinken die tatsächlichen Eigenschaften allmählich hinter der Fassade der Attitüden. Diese Zuordnung gewöhnt uns das Hinsehen schritt-weise ab, weil wir Menschen viel zu schnell nach dem im Fernsehen erlerntem Muster einordnen. Wir begegnen dann aber nur noch dem Typ, nicht mehr der Person. So einfach ist das.

 

 

 

Die Medienpräsenz ist in unserer gegenwärtigen Kultur so unfragwürdig geworden, dass man sich Werbung mit Interesse ansieht, weil die Menschen darin zu Vorbildern geworden sind. Und tatsächlich wird unser wirklich stattfindendes Leben immer stärker durch das in den Medien vorgespielte Leben beeinflusst. Wir wiederholen pausenlos die standardisierten Vorgaben dieser simulierten Welt. So laufen wir Gefahr, dass die Simulation immer stärker zu unserer Realität wird, was im Extrem nicht weniger bedeutet, als dass wir gar nicht mehr wirklich handeln, lieben und leben, sondern nur noch die Bilder und Szenen aus unseren Fernseherlebnissen nachspielen. Der menschliche Austausch wäre somit standardisiert und tot, weil unsere Handlungen als Reaktionsmuster festgelegt sind. Wenn Sie genau hinsehen, können Sie diese Erscheinung schon heute deutlich erkennen. Solange aber die vermeintlichen Personen aus den Medien prosperieren, verringern sie den Raum wirklicher Persönlichkeiten an Stelle dieser verwirrten Bilder. Erst jenseits dieses Spiegelkabinetts ist Platz für Wesen, die nicht durch die Präsentation von Accessoires etwas darstellen, sondern eine Überzeugung gefunden haben und diese leben.

 

 

 

 

 

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4.9.06 12:22, kommentieren

Die neue Bescheidenheit

Unser Wohlstand funktioniert nur mit einem angriffslustigen und nach Vorteil strebendem Menschen, und die Wirtschaft muss wachsen, um den notwendigen Wohlstand zu erzeugen und alle satt zu machen. Das ist ein weit verbreitetes Vorurteil. Doch ganz offenbar funktioniert es von Jahr zu Jahr schlechter. Es gibt immer mehr Arbeitslose, während eine kleine Gruppe Menschen immer reicher wird. In wenigen Jahrzehnten schwindet der Vorrat an Millionen Jahre alten natürlichen Ressourcen. Unsere Sozialversicherungssysteme kollabieren allmählich. Am deut-lichsten tritt der Anachronismus unseres Systems aber zu Tage, wenn wir in die Gesichter von Menschen sehen. Da fehlt das Glück, da fehlt das innere Strahlen.

 

 

 

Sehen wir uns exemplarisch für die Disfunktion unseres Systems die vielen Millionen Menschen an, die ohne Arbeit sind. Es ist eigentlich sehr einfach dafür eine Lösung zu finden, wenn man nicht starrsinnig an den hergebrachten Methoden festhält. Ziehen wir den Schleier unserer gewohnten Sichtweise weg, sehen wir folgendes: Ein Mensch muss sich ernähren, vor der Witterung schützen, sich kleiden und fortpflanzen. Damit das alles leichter für den Einzelnen wird, haben wir Menschen Kooperationen gebildet, um es bequemer zu haben. Nun sind diese Kooperationen mittlerweile Firmen und Konzerne, die so effizient sind, dass sie alle versorgen, ohne dass alle dafür arbeiten müssen. Jeder Mensch möchte aber etwas tun für seinen Unterhalt, das entspricht unserem Instinkt als Lebewesen und auch dem natürlichen menschlichen Gerechtigkeitsempfinden. Allein die vorhandene Arbeit unter allen aufzuteilen wäre ein vernünftiger Weg. Es wäre besser, wenn der Vorteil der hohen Effizienz unseres Wirtschaftssystems für alle etwas brächte, statt dass immer weniger Menschen immer mehr arbeiten und damit überlastet sind, und immer mehr Menschen gar nicht arbeiten und damit unglücklich sind, was man wohl im Bereich der höher dotierten Positionen behaupten kann. Aber auch bei den schlechter bezahlten Tätigkeiten könnte durch eine Reduzierung der Stunden aller Arbeitender Arbeitslose wieder beschäftigt werden. Wir gehen aber keinen neuen Weg, weil unsere Sicht viel zu verengt ist und wir in unserem Besitzdenken und unserer Egozentrik gefangen sind. Wir sehen zu, wie unser System allmählich kollabiert.

 

 

 

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5.9.06 12:56, kommentieren

Persönliche Revolution

Die Möglichkeit, dass die Effizienz der Wirtschaft nicht weiter oder langsamer wächst und wir dadurch weniger konsumieren und dann weniger arbeiten, scheint niemand ernsthaft zu erwägen. Stattdessen unterwerfen wir uns der Gier des immer größeren Konsums und einem enormen Leistungsdruck an Effizienz und Geschwindigkeit unserer persönlichen Zielerreichung. Wir übersehen, dass wir schon in einer hoch entwickelten Überflussgesellschaft leben, in der die Bevölkerung eine so reiche Versorgung hat, dass nicht mehr deren Existenz und Komfort das wirtschaftliche Anliegen ist, sondern die Erhaltung des Produktionswachstums. Jeder einzelne von uns muss möglichst viel konsumieren und deshalb massiv beworben werden, um durch seinen Konsum die Erhaltung von Wirtschaftkreislauf und Wohlstand zu gewährleisten.

Unser Vertrauen in den Wohlstand ist aber ein tiefsitzendes Missverständnis, wenn wir glauben, es ginge ganz direkt um unser persönliches Wohlbefinden. Primär ist in unserem System der persönliche Konsum Mittel und notwendiger Motor allen Wachstums. Es wird heute allgemein davon ausgegangen, dass der Konsum eines Menschen mit seinem Glück gleichzusetzen ist. Genau darin besteht das größte Handicap der Wachstumsgläubigkeit, denn es bedeutet die Fixierung der Menschen in Unglück und Trauer. Auch wenn über das vorgegaukelte Glück zahlloser Betäubungen durch Konsum ein ganz anderer Schein der aktuellen menschlichen Situation entsteht. Erst durch diese fragwürdige Verbindung von volkswirtschaftlichem Wohlstand und individuellem Glück wird der falsche Zauber unserer Konsumgesellschaft am Leben erhalten. Wenn man Wohlstand an Faktoren misst, die sich nicht quantifizieren lassen, aber dennoch einen erheblichen Einfluss aufs individuelle Wohlbefinden haben, kommt man zu einem ganz anderen Ergebnis. Denken Sie an das Betrachten der Schönheit einer Wiese, an die Begegnung mit freundlichen, entgegenkommenden Menschen oder an die Verwirklichung einer aufmerksamen Haltung der Menschen untereinander.

Wir können den weltweit höchsten Wohlstand erreichen und doch unglücklich in einer toten Umgebung leben. Es ist wissenschaftlich durchaus beweisbar, dass eine auf freiem Wettbewerb basierende Leistungsgesellschaft mehr Wohlstand im materiellen Sinne erzeugt als eine andere Form des wirtschaftlichen Zusammenlebens von Menschen. Allerdings bedeutet das natürlich nicht, dass Menschen damit auch glücklicher sind. Kann ein freiwilligeres Gesellschaftssystem durch gegenseitige Aufmerksamkeit und Kooperation nicht zu einem insgesamt lebenswerteren Ergebnis führen? Der Gedanke, die heutige Leistungsgesellschaft auch nach dem Zusammen-bruch der sozialistischen Systeme höchstens als die zweitbeste Lösung zu verstehen, ist aus dem Fokus der meisten Menschen fast verschwunden. Die aus der Tatsache eines suboptimalen Zustandes folgende Suche nach der besseren Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens findet nicht konsequent statt.

 

 

 

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6.9.06 12:04, kommentieren

Unser Gefängnis heisst ...

Unser Gefängnis heißt Wachstumsglaube, er bezieht sich nur auf den finanziellen Fortschritt, aber ein Wachstum unseres menschlichen Zusammenlebens und die Suche wirklich neuer Konzepte sind eine Randerscheinung. So wird die alltägliche Verlogenheit und Korruption in unserem System kaum besprochen, sondern als notwendiger Begleiter des gesellschaft-lichen Fortbestandes hingenommen. Statt an den grundlegenden Ursachen etwas zu ändern, was zunächst unpopulär macht, kümmert sich Politik um den kurzfristigen Machterhalt und Unternehmen um den Profit. Damit erlangt das Gesamtsystem durch die gegenseitige Förderung von Wirtschaft und Politik, also Profitmaximierung und Machterhalt, seine Stabilität. Sie können das sehr leicht beobachten, wenn Sie sich die Lobbyisten der einzelnen Industriezweige ansehen. Es sind die Bindeglieder zwischen Wirtschaft und Politik. Sie tragen die Konzern-interessen in die politische Entscheidung hinein.

 

 

 

Dass sich der Einzelne in diesem System aber immer weiter von seinem Selbst und seiner Verbindung zu den Mitmenschen entfernt, wird in diesem Gefüge nicht beachtet. Es geht um Funktionalität und genau genommen darum, den Zusammen-bruch des Bestehenden zu verhindern; ignorierend dass nur das Ende des Alten der Anfang und Übergang zum Neuen sein können. Ist dieses phantasielose Festhalten am überholten System nicht im Grunde genommen recht wenig durchdacht, weil es die Möglichkeit gescheitert zu sein auszublenden versucht und den neuen Weg blockiert?

 

 

 

Warum regieren in Politik oder wirtschaftlichen Organisationen Menschen für ein paar Jahre? Sie tun dies vielleicht, um schnell viel Geld zu verdienen um dann ein von diesem System unabhängiges Leben zu führen. Besitz beinhaltet natürlich immer die Gefahr des Verlustes und produziert so den Wunsch nach Machterhalt. Im Lebensablauf erworbene Seinsqualitäten erzeu-gen hingegen den Wunsch, diese weiterzugeben. So kann ein vornehmlich nach Besitz strebender Politiker nur schwer eine Position vertreten, in der er authentisch um das Wohl von Bürgern besorgt ist. Oder aber Führungspersonen wurden in ihrer Kindheit und Jugend zu wenig anerkannt und ihre Ideen und Wünsche hatten keinen Einfluss und sie streben nun nach Macht, um die Minderwertigkeiten aus dieser Zeit zu überwinden. Das bestehende System bestätigt sich dadurch selbst, dass diejenigen, die es durch ihre Führung in Politik und Gesellschaft leiten, so systemkompatibel und abgespalten von wirklich neuen Ideen sein müssen, um überhaupt erst in die Spitzenpositionen zu gelangen, um dann das System dieser verirrten Vorstellungen zu reproduzieren. Ein paar Personen haben in der Erbfolge finanzieller und politischer Macht den Einfluss unser System zu fixieren. Wahlen scheinen zwar demokratisch, konstituieren sich aber tatsächlich aus der unmündigen Fehlentscheidung manipulierter Wähler.

 

 

 

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1 Kommentar 7.9.06 15:26, kommentieren

Persönliche Revolution

 
Diejenigen, die sich dem Beeinflussungsapparat entziehen, sind in deutlicher Minderzahl. Die Mehrzahl wird getäuscht, indem ihnen populäre Vorteile verkauft werden statt für notwendige Veränderungen einzutreten. Folge ist, dass eine kleine Gruppe einflussreicher Menschen, mit begrenzten Interessen über die Geschicke einer Nation entscheiden. Bürger können sich erst für Richtigeres entscheiden, wenn sie sich dem vorgetäuschten Konsens unserer Tage bewusst entzogen haben.
 
Zweifellos ist heute jeder für die Anhäufung von Eigentum und dessen unerbittliche Verteidigung anfällig. Die Entwicklung der Person jenseits betriebswirtschaftlicher Ziele und Leistungs-anforderung tritt in den Hintergrund. Es ist aber nur ein bequemer Trugschluss, dass die Anhäufung materieller Werte, die dem Menschen adäquate Lebensform und eine Veränderung nicht möglich ist. Die Verbreitung dieses Irrglaubens dient denjenigen, die Angst vor Entwicklung und Erneuerung haben. Ob für den Menschen die immer stärkere Ausdifferenzierung des Konsums zum kompletten Weltbild werden kann, scheint fragwürdig. Wir denken aber immer mehr an unsere eigenen Bedürfnisse und unseren Besitz und vernachlässigen zunehmend die Kultivierung unserer tieferen Fähigkeiten wie die Pflege unserer Gemeinsamkeit als Menschen und Lebewesen. Dies führt zu fortschreitender Abspaltung des Einzelnen von seinen Mitmenschen und einer Vernachlässigung seiner eigenen Anlagen. Das eine fördert die Einsamkeit, das andere die Stumpfheit und beides das Lebensempfinden von Unglück.
 
Nun könnte es auf der Hand liegen, uns in Abwendung von der selbstgeschaffenen Sklaverei unseres Wirtschaftssystems der Kirche zuzuwenden, einer Sekte oder irgendeinem esoterischen Bund, um wieder Würde und Achtung zu erfahren statt Gier und Macht. Doch wird das Ausweichen keine wirkliche Änderung der Zustände bringen, höchstens einen zurückgezogenen abgetrenn-ten Raum, in dem man sich irgendwelchen Illusionen hingeben kann. Es lässt sich über die eine wie die anderen Institutionen ebenso viel Gutes wie Schlechtes feststellen, ohne eine lebenswerte Antwort für alle zu finden. Wir können in jeder Lehre eine tiefere Wahrheit finden, aber nur in uns Selbst die Antwort auf die Frage nach unserem Leben. Schließen wir uns allzu entschlossen irgendeiner Art von Bund oder Vereinigung an, laufen wir Gefahr, eine unerwünschte Bindung gegen eine andere zu tauschen. Wir werden damit aber nicht frei, wir wechseln nur die Zelle im Gefängnis. Wer uns glauben machen möchte, die Lösung liege im diesseitigen Leiden für das jenseitige Glück, erscheint uns ebenso zweifelhaft wie wer uns vormacht, wir könnten das Menschsein in andauernden seichten Vergnügungen durchdringen. Die blinde Glorifizierung religiöser oder esoterischer Überzeugungen füllt ebenso wenig den persönlichen Raum aus, wie der flache Hokuspokus unserer Medienkultur uns gestattet der zu sein, der wir wirklich sind. Ein freies Dasein werden wir nur führen können, wenn es uns gelingt, ins Jetzt zurück zu gelangen und darin zu bleiben.
 
Die Schwierigkeit, vor der wir heute stehen, besteht darin, dass wir für die Veränderung der Gesellschaft die Transformation ihrer Individuen brauchen, ein freierer Mensch aber eigentlich nur aus anderen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erwach-sen kann. Das Entstehen einer aufmerksameren Gesellschaft braucht also einen Menschen mit anderen Prioritäten, obgleich die heutige Gesellschaft einen solchen Menschen kaum fördert oder hervorbringt. Vielmehr wird die Litanei unserer Misere in allen Bereichen hoch und runter gebetet. Nun ist es aber tatsächlich  nicht so ausweglos wie es scheint, denn auch wenn die Gesellschaft als Basis des Wechsels keine guten Voraus-setzungen bietet, hat der Einzelne durch die große Freiheit und hohe Sicherheit unseres Systems die Möglichkeit in seinem Leben zu beginnen. Das ist der Kern der Sache. Wir liegen falsch, wenn wir darauf warten, dass uns etwas vorgesetzt wird, was alles auf einmal ändert und heilt. Wir liegen richtig, wenn wir selbst beginnen, uns zu prüfen und unser eigenes Wesen kultivieren. Eine glückliche Gesellschaft ist die Summe entwickelter glücklicher Individuen.
 
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8.9.06 10:01, kommentieren

Persönliche Revolution


 

Freiheit in abhängiger Umgebung

 
Über die ganzen Bilder, die wir uns ansehen, nähren wir permanent unsere Wünsche und erzeugen Sehnsüchte. Wir leben in einer kollektiven Illusion über unsere Welt, die aus den Medien gespeist wird und die wir wie ein Phantom permanent mit uns herumtragen. Unsere Person wird mehr und mehr ein Abbild, das dieses Phantom imitiert. Der menschliche Austausch ist durch Bilder von Personen geprägt und dabei wird die wirkliche Begegnung von Individuen allmählich verdrängt. Unser Leben läuft in der Bindung an Fernsehserien, berufliche Pflichten, eine vage Weltsicht, eine mehr oder weniger latente Religiosität und bestimmte Angewohnheiten ab, in denen wir nicht wirklich authentisch leben, sondern Bildvorgaben nachahmen.
 
Diese mentale Bindung korrespondiert mit vielen körperlich schädlichen Konsumgewohnheiten und Abhängigkeiten. Man assoziiert bei Abhängigkeit vielleicht die Drogensucht nach  Schmerzmitteln oder Kokain, doch diese Grenzfälle, die sehr schnell zu geistigem und körperlichen Verfall führen, sind gemessen an den sogenannten legalen Abhängigkeiten eine verschwindend geringe Erscheinung. Viel verbreiteter ist der Konsum von Alkohol, Nikotin, Koffein, Zucker und  Fernsehen. Wir stellen es heute kaum in Frage, ob diese Stoffe und Gewohnheiten unserem Körper dienlich sind, weil der Konsum gesellschaftlich so weit verbreitet und damit akzeptiert ist, dass eine unabhängige Person schon aus dem Rahmen fällt. Was uns bei Nikotin und Alkohol noch einleuchten mag, wird uns vielleicht bei dem Begriff der Koffein- und Zuckerabhängigkeit fragwürdig. Doch auch der Konsum von Kaffee und Zucker ist für die gesunde Ernährung des Menschen nicht notwendig, es schädigt ihn und weist Merkmale der Sucht auf.
 
Diese persönlichen Rauschmittel sind also gesellschaftlich etabliert und werden nicht als Abhängigkeiten identifiziert. Ob man Abhängigkeiten aber als Sucht bezeichnet oder wie weit sie akzeptiert wird, ist nur eine gesellschaftliche Norm, die wenig über die Degeneration des Einzelnen in seinen Konsumritualen sagt. Sie macht ebenso wenig  eine Aussage über den Gesamt-zustand einer abhängigen Gesellschaft. Sehen wir den Drogen-konsum als Resultat unseres heutigen Zusammenlebens, erkennen wir den schlechten Zustand unserer Gesellschaft ganz besonders deutlich. Unsere Konsumabhängigkeit dokumentiert hochgradig die Bindung des Einzelnen an seine falschen Gewohnheiten. Sie ist eines der offensichtlichsten Merkmale unserer Unfreiheit, obwohl dies gesellschaftlich weitgehend tabuisiert ist. Dass die Abhängigkeit aber etabliert und akzeptiert ist, verringert die Tragweite dieses Themas nur dadurch, dass es aus dem Fokus allgemeiner Diskussion rückt.
 
Dass Werbung so offensichtlich mit dem Bedürfnis nach Befreiung aus Abhängigkeiten operiert, zeigt wie unfrei wir tatsächlich sind. Die persönliche Gefangenschaft ist ein zentraler Mangel unserer Tage. Denken Sie darüber mal nach: Wir sind aufgeklärt, wir sind überzeugt, wählen zu können, was wir wollen und dennoch fühlen wir uns unfrei. Sind wir tatsächlich freier als zu anderen Zeiten der Geschichte oder hat lediglich die Art der Diktatur sich verändert und es wird einfach nur unbemerkter regiert?
 
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11.9.06 12:12, kommentieren